Der Wunsch nach Kindern

Nach der Menopause, der letzten Menstruation, die durch eine körpereigene Hormonproduktion der Eierstöcke ausgelöst wird, sind Schwangerschaften mit eigenen Eizellen nicht mehr möglich. Deshalb kann nach der Menopause ein Kinderwunsch nur durch eine Eizellspende, ein in Deutschland derzeit verbotenes Verfahren, realisiert werden.

 

Dagegen ist in den Jahren vor der Menopause (in der Perimenopause) nach spontanen Eisprüngen das Eintreten von Schwangerschaften durchaus möglich, auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung in Abhängigkeit vom Alter der Frau gering ist.

 

Als Fekundabilität bezeichnet man die Wahrscheinlichkeit, eine Schwangerschaft pro Menstruationszyklus zu erreichen. Diese liegt bei einer 20-jährigen Frau bei etwa 60%, nimmt bis zum Alter von 30 Jahren auf 30% ab und beträgt im Alter von 40 Jahren nur noch etwa 2% (1,2). Zu den Ursachen zählen unter anderem die Verringerung der noch zur Verfügung stehenden Eizellen im Eierstock sowie die Abnahme der Eizellqualität. So sind bereits mehr als 80% der Embryonen von Frauen im Alter von 43 Jahren genetisch nicht mehr intakt (aneuploid) (1,3). Dies führt zwangsläufig zu einer verminderten Schwangerschaftsrate sowie zu einer gesteigerten Fehlgeburtsrate, denn aneuploide Embryonen werden meist nicht ausgetragen.

 

Auch die Erfolgsrate der sogenannten künstlichen Befruchtung (IVF/ICSI-Therapie) ist im höheren Alter relativ gering. Nach den aktuellen Daten aus dem Deutschen IVF-Register beträgt die Schwangerschaftsrate bei Frauen im Alter von ≥ 45 Jahren etwa 5,6% pro Embryotransfer, allerdings mit einem Fehlgeburtsrisiko von etwa 65%. Dementsprechend gab es in dieser Altersgruppe nach insgesamt 699 Embryonenübertragungen lediglich 12 Geburten (Geburtenrate nach Embryotransfer knapp 2%!) (4) .

 

Schwangerschaften, die in höherem Alter eintreten, sind mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kind verbunden. Neben der bereits erwähnten erhöhten Fehlgeburtsrate besteht in der Schwangerschaft ein höheres Risiko für u. a. Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Gestationsdiabetes), Präeklampsie (sog. „Schwangerschaftsvergiftung“), Frühgeburtlichkeit und geringes Geburtsgewicht (5).

Zuletzt aktualisiert am 12.12.2019


Prof. Dr. med. Inka Wiegratz

Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Gynäkologische Endokrinologie und Geburtshilfe

Kinderwunsch & Hormonzentrum Frankfurt – Am Palmengarten

Dozentin des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität Frankfurt/Main


Literatur

  1. Kentenich und Jank. Gynäkologische Endokrinologie 2016;14:105-10
  2. Strowitzky T (2013). Infertilität bei Frauen – Neueste Entwicklungen. Bundesgesundheitsblatt 56:1628-32.
  3. Franasiak et al. Fertil Steril 2014;101(3):656-63e1
  4. https://www.deutsches-ivf-register.de/perch/resources/downloads/dir-jahrbuch-2018-deutsch-2.pdf (12.12.2019)
  5. Haslinger et al. Swiss Med Wkly 2016;146:w14330