Wechseljahre am Arbeitsplatz
Etwa 11 Millionen Frauen in Deutschland befinden sich im Wechseljahresalter (40–59 Jahre), die meisten von ihnen mitten im Berufsleben. Sie bringen Erfahrung, Fachwissen und Wissen um die betriebsrelevanten Strukturen mit, auf das Unternehmen nicht verzichten können, insbesondere in Branchen mit Fachkräftemangel.
Die Wechseljahre sind eine natürliche Lebensphase im Leben einer Frau. Schätzungen zufolge hat etwa ein Drittel der Frauen keine bis kaum Beschwerden oder erlebt sogar eine Leistungssteigerung in dieser Phase. Ein Drittel hat moderate Symptome und nur ein Drittel hat sehr ausgeprägte Beschwerden. Die Auswirkung auf den Berufsalltag hängt v.a. von der Tätigkeit und dem Arbeitsumfeld ab: von Arbeitsort, Arbeitszeiten, Arbeitskleidung, der Führungskultur, Pausenregelungen, Umgebungstemperatur und dem Verständnis im Team.
Hier liegt die Chance: Wenn Führungskräfte die Lebensrealität von Frauen mitbedenken, informiert sind, Verständnis zeigen und betroffenen Frauen z.B. nach konkretem Verbesserungsbedarf fragen, stärkt dies die Sichtbarkeit und vermittelt das Gefühl, gesehen zu werden. Zuständige Betriebsärztinnen und Betriebsärzte sollten ggf. zur Lösungsfindung hinzugezogen werden; oft kann durch wenige Anpassungen die Situation spürbar verbessert werden und die Arbeitsfähigkeit erhalten bleiben.
Was nicht immer bekannt ist: Betriebsärzte unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und können z.B. im Rahmen der ganzheitlichen Wunschvorsorge (nach AMR 3.3) von Frauen konsultiert oder im Rahmen eines BEM (Betriebliches Eingliederungsmanagements nach SGB IX bei Fehlzeiten >6 Wochen) hinzugezogen werden. Das Ziel von Betriebsärzten ist grundsätzlich die Gesunderhaltung und Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit.
Flyer "Arbeitsplätze neu denken - Vorschläge für die Wechseljahre"
Was können Führungskräfte und Unternehmen konkret tun, auch präventiv?
Für ein Gespräch zu dem Thema bereitstehen, bei Bedarf nach Unterstützungsbedarf fragen, gemeinsam nach umsetzbaren Lösungen suchen. Der Bedarf kann individuell sehr unterschiedlich sein, z.B. eine Toilette in unmittelbarer Arbeitsumgebung (auch bei Tätigkeiten im Freien oder tageweises Ermöglichen von Innendienst), Luftzufuhr z.B. mit einem Ventilator, flexiblere Arbeitszeitenregelungen, Lockerung der Kleiderordnung oder atmungsaktive Arbeitskleidung, Anpassung von Arbeitsaufgaben etc.
Flyer "Beispiele für unterstützende Arbeitsbedingungen"
Information ist wichtig, insbesondere auch für betroffenen Frauen: gut informiert zu sein über die Veränderungen in den Wechseljahren und die passenden Möglichkeiten zur passenden Unterstützung bei Bedarf. Hierzu gibt es den Informationsflyer „Wissen macht Cool“, mittlerweile auch in über 10 Fremdsprachen, den auch Führungskräfte und Unternehmen bereitstellen können.
Flyer "Wechseljahre - Wissen mach Cool"
Nehmen Unternehmen das Thema Wechseljahre nicht in ihre Unternehmenskultur und ihren Arbeits- und Gesundheitsschutz auf, kann es zu negativen Auswirkungen kommen: laut der Studie MenoSupport (HWR Berlin, 2024) war fast jede dritte Frau wegen Wechseljahresbeschwerden schon einmal krankgeschrieben, knapp jede vierte hatte Arbeitsstunden reduziert, fast jede fünfte sah einen Stellenwechsel und jede zehnte einen Frühruhestand als die einzige Notlösung. Eine Hochrechnung der HWR schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden bei unberücksichtigten Wechseljahren am Arbeitsplatz auf rund 9,4 Mrd. Euro pro Jahr. Dies lässt sich verhindern: durch Information und kompetentes Handeln der Entscheidungsträger. Für geeignete betrieblichen Konzepten können Betriebsärzte beratend hinzugezogen werden.

